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Auch wir waren dann mal kurz weg.
Klar. Das ganze Schuljahr über war Warten, Aushalten, die Tage
abzählen . . . „noch drei Mal musst du schlafen, zwei Mal . . . und
. . .“
Am Sonntag, den 24. Juni um Punkt 22.15, war es so weit. Wir, die
Schüler und Schülerinnen der beiden Französischkurse der
Jahrgangsstufen 8 und 9, bestiegen am Lüneburger Hauptbahnhof den
ersten der beiden Züge, die uns ins Gelobte Land führen sollten,
dort wo Wein und Cidre fließen, wo die Menschen sich mit „Bonjour“
und „Küsschen links und Küsschen rechts“ begrüßen, ins Herz dieser
uns unbekannten Kultur. Zurück ließen wir weinende Menschen,
größtenteils Eltern, die ob der einwöchigen Trennung trauerten oder
einfach nur glücklich waren.
Auch für letztere ist dieses Tagebuch bestimmt.
Sonntagabend, den 24. Juni
Gegen 22 Uhr trafen wir uns abends am Hauptbahnhof in Lüneburg. Ab
22 Uhr 10 versammelten wir uns, die Schüler der 8ten und 9ten
Klassen aus den Französischkursen, am Gleis 3, wo unser Zug um 22
Uhr 15 nach Hamburg-Harburg abfahren sollte.
Die Zugfahrt dorthin verlief recht zügig und ohne weitere
Komplikationen. In dem Nachtzug nach Paris, in den wir am Hamburger
Bahnhof umstiegen, saßen wir jeweils in Sechserabteilen. Die Nacht
im Zug verbrachten wir für unsere Verhältnisse relativ ruhig. Ein
Großteil hatte auch versucht zu schlafen, da uns morgen ein
anstrengender Tag bevorstand. Montag, den
26.06.07
Am Montag um 9.00 Uhr kamen wir nach schlafloser Nacht im Gare du
Nord in Paris an. – Andere Abteile, unterschiedliche
Schlafgewohnheiten. Wie Eugen diese Nacht verbrachte, müsst ihr ihn
selber
fragen. - Herr Burkert kaufte uns dann die Wochenkarten für die
Métro. Wir klebten unsere Passfotos ein und fuhren mit der Métro zur
Station Hôtel de Ville. Im M.I.J.E. (Maison Internationale de
Jeunesse Etrangère), unserer noblen Residenz, wurde uns die
Hausordnung erklärt. Wir setzten unsere Koffer im Keller ab und
gingen zu Fuß zum nahe gelegenen Centre George Pompidou.
Nach einem kurzen Besuch im M.C. Pompidou hatten wir einen längeren
Aufenthalt im M.C Donalds. Wer sagt, dass die Franzosen keine
Esskultur hätten ?!!!
Danach gingen wir zurück zum Centre Pompidou und lagen auf einem
großem Platz vor dem Centre Pompidou. Dort präsentierte sich ein
viertklassiger Artist, der Assistenten aus dem Publikum seine
Pappmesser in deren Köpfe stach. Einen solchen dilettantischen
Auftritt hatte keiner der Zuschauer verdient.
Um 17.00 Uhr gingen wir zurück zum MIJE und gingen auf die Zimmer.
Ich war mit Eugen, Martin und Cem im Zimmer Dort hatten wir zwei
Stunden Freizeit. Danach gingen wir 200m weiter zum Restaurant des
MIJE. Es gab Cous Cous mit Merguez, eine arabische Spezialität. Wir
träumten alle von der Speisekarte bei Mc Donalds.
Danach gingen wir noch an der Seine entlang und bewunderten die
Kathedrale Notre-Dame in der Abenddämmerung. Zurück im Zimmer
schliefen wir auch sofort ein. (Das ist die offizielle Version.) Ich
träumte in dieser Nacht von Mc Donalds.
„. . . à demain, fais de bons rêves, mon coeur“ („bis morgen, träume
süß, mein Schatz“) Dienstag, den 27.06.07
Aufstehen – ouuuaaah!
Frühstück mit Verwöhnkakao und ab in den Großstadtdschungel. Erst
zur Arche de la Défense, dann Richtung Arc de triomphe und wenn du
jetzt vielleicht denkst: Das war’s - äh, äh, noch nicht ganz. Auf
zum Eiffelturm. (Keine einfache Sache – so von wegen mal rauf und
wieder runter.)
Der Tag war anstrengend, aber echt klasse. Es hat mir eigentlich
alles gefallen bis auf das Wetter und die anderthalb Stunden
Wartezeit unter dem Eiffelturm – oder wie ich’s heute ausgedrückt
habe: „Jetzt kann ich sagen: Ich war auf dem Eiffelturm – na ja, die
meiste Zeit darunter.“
Auf dem Weg zurück `nen echt französischen Döner Kebab mit Pommes
genossen, ins Hotel, eher weniger herzhaft beim Abendbrot zugelangt.
(Ich bin sooooo satt!) . . . und immer noch
Dienstag
Um 7 Uhr morgens war ich dann mit Herrn Burkert joggen. Unter uns:
Mein Tempo konnte der nicht halten. Wir liefen an den Quais entlang
in Höhe der Kirche Notre- Dame bis zu einer der unzähligen Brücken
der Seine am Musée du Quai d’Orsay. Auf der anderen Seineseite ging
es zurück. Es war brutal: immer nur Kopfsteinpflaster,
zwischendurch musste ich den völlig entkräfteten Herrn Burkert noch
aufmuntern.
Dann im Hotel unter die Dusche, dann Damien, meinen Zimmergenossen
wecken, weil der nicht aus den Federn kam. - Das war nicht nur am
Dienstag so, nicht wahr, Damien? -
Zum Frühstück gab es ein Stück Baguette, ein Croissant, einen Kakao
oder Kaffee und Orangensaft sowie Marmelade – wie immer. Danach ging
es gleich los. Zuerst zur Métro – wie immer -, damit zur
Arche de la Défense. A quoi bon ce monument? Ne me demande pas!
(Weshalb wir eigentlich bei diesem Gebäude waren, blieb mir ein
Rätsel.)
Was soll’s. Mit dem Fotoapparat ein paar Augenblicke einfangen und
von dort die zirka vier Kilometer gerade Achse bis zum Arc de
triomphe genießen. Dorthin ging’s dann auch zu Fuß – Anweisung von
oben!
Natürlich regte sich Ungehorsam auf der zweiten Hälfte des Weges.
„Wir sind Métrofahrer, keine Fußgänger“, skandierte das Volk. Die
Reiseleitung gab nach. Wir nahmen für den restlichen Weg bis zum Arc
de triomphe die Métro.
Dort Hunderte von Treppenstufen hinauf bis . . ., ja bis zu einem
tollen Anblick. Vom Dach des Arc de triomphe hatte man einen
fantastischen Blick auf viele Sehenswürdigkeiten Paris. Hunderte von
Treppenstufen hinunter und dann zum Eiffelturm. Wir warteten
mindestens eine Stunde, um auf die zweite Etage zu gelangen, und
dann nochmal 20 Minuten, um zur dritten Etage in 300 Meter Höhe zu
kommen.
Oben angekommen ging’s auch schon wieder runter: Freizeit bis zum
Abendessen.
Diese Freizeit füllten wir sinnvoll aus. Stimmt nicht, aber das sagt
man so.
Beim Abendessen ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren und
gingen früh ins Bett. Stimmt auch nicht.
„Bonne nuit à tous!“ („Gute Nacht zusammen!“)
. . . Stoooop, da war doch noch meine Dienstagsgeschichte. Ich
mach’s kurz:
Duschen: 6.00 Marina – 6.30 Laura – 7.00 Bahar – 7.30 Mirja.
Frühstück: 8.30 für alle. War o.k.
Treffpunkt: 9:30. Dann die Métro, Arche de la Défense und Arc de
triomphe. Kleine Korrektur : Bis auf das Dach des Arc de triomphe
waren es mindestens 300 Treppenstufen, keine 100!! Dann wieder
runter, rein in die Métro, raus aus der Métro, Eiffelturm: 300 Meter
hoch, aber der hatte zum Glück Fahrstühle. Super Aussicht von dort
oben und danach die große Freiheit. Wir bekamen den Rest des
Nachmittags frei. Als Frau geht man natürlich Shoppen . . . und
vergisst die Zeit dabei. Zum Abendbrot kamen wir zu spät. Dabei gab
es - das lässt den Gaumen zucken: Normandin de veau!!! (ohlala!!!)
So stand es auf dem Speiseplan. Auf dem Teller lag dann eine
gewöhnliche Fleischbulette (ach ne!!!). Nach dem Essen wieder zurück
ins Hotel und in die Betten.
„Repose-toi bien, ma petite!“ („Ruh dich aus, meine Kleine!“)
Mittwoch, den 27. Juni 2007
Morgens: Schon wieder das typisch französische Frühstück: Baguette,
Croissant, Erdbeermarmelade, Kakao und Orangensaft. Um 9.30 Uhr ab
zur Metro, aber dieses Mal ohne umsteigen. Mit der Linie 1
von Hôtel de Ville bis Tuileries/Louvre.
Der Louvre ist heute ein weltberühmtes Museum. Die bekannteste ``Bewohnerin``
des Museums heißt Mona Lisa. Unsere Gruppe interessierte sich nicht
für lächelnde Frauen, sondern für Seerosen, und zwar die von Claude
Monet. Die gibt es in der Orangerie zu sehen.
Die Orangerie war früher im 19. Jahrhundert ein überdachter Garten
mit Orangenbäumen. Seit 1926 ist es ein Museum, in dem vor allem
impressionistische Malerei und die Seerosen von Monet ausgestellt
sind. Die Impressionisten waren die ersten Maler, die draußen im
Freien gemalt haben und die großen Wert auf die natürlichen
Lichteffekte (Sonne, Regen, Jahreszeiten, Wasserspiegelungen)
legten. Ich fand den Gang durch die Orangerie langweilig, aber dass
wir die Erklärungen zu den Bildern über die Head-Sets hörten, fand
ich gut. Nur die Head-Set-Synchronstimme von Herrn Burkert war nicht
auszuhalten.
Für den Nachmittag war der Besuch eines Hip-Hop-Festivals im 19.
Arrondissement vorgesehen.
Uups! Der erste wirkliche Aufreger: Wir hatten Marina und Frau
Mertens-Hann in der Métro verloren. Wir wollten schon das FBI
einschalten, da klingelte Bahars Handy: eine SMS von Marina: „
Hilfe, wir haben euch verloren, mit welcher Metro seid ihr
gefahren?“ Bahar konnte die beiden beruhigen. „ Wir warten auf
euch!“, klickerte sie als SMS in ihr Handy.
Mit den beiden fuhren wir zum Hip-Hop-Festival. Beim
Hip-Hop-Festival haben am Anfang zwei Farbige auf französisch gerapt
und danach haben noch andere Franzosen getanzt. Das Hip-Hop-Festival
war
auf einem Spielplatz und die Zuschauer war auch fast nur Farbige.
Um 18.15 Uhr sind wir zurück zur Jugendherberge gegangen und haben
zu Abend gegessen. Nach dem Essen um 21.00 Uhr sind wir zur Seine
gegangen und haben eine eineinhalbstündige Fahrt auf der Seine
gemacht.
„Au clair de la lune, mon ami Pierrot . . .“ („Schlaf Kindchen
schlaf . . .“) Donnerstag, den 28. Juni
Och nee!! Weckerklingeln. Also schnell ins Badezimmer, um sich kurz
frisch zu machen.
Dann also zwei Stunden später – Frühstück: Baguette, Croissant, . .
. also, ihr wisst schon. Heute ging es zum ehemaligen
Künstlerviertel Montmartre. Hmmm, was stellt man sich darunter vor?
Tja, das wussten wir auch nicht, also ließen wir uns überraschen.
Wir hofften nur, dass es ziemlich gut werden sollte, da der Weg zu
diesem erhöht gelegenen Stadtviertel eine echte Herausforderung war.
Wir kamen uns wie richtige Bergsteiger vor, denn eigentlich ging es
nur steil bergauf. Da hieß es tapfer bleiben und brav weitergehen.
Also mit dem Künstlerviertel war das dann so: Künstler wie Picasso
hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier gelebt und gearbeitet.
Mittlerweile ist das ein Viertel mit vielen Restaurants, kleinen
Shops und an der Straße saßen ganz viele Maler, die zeichneten und
malten: Portraits, den Eiffelturm in allen möglichen Variationen,
Blumenbilder usw.
Wir gingen weiter über den Place du Tertre zur Kirche Sacré- Coeur.
Anschließend gingen wir hinein. Dort gab es ein riesiges
Wandgemälde, das man nicht fotografieren durfte. Als wir wieder
draußen waren – nicht zu vergessen der Panoramablick über Paris vom
Kirchenportal aus - , bekamen wir eine Stunde, um im Viertel
herumzugehen. Wir gingen fast alle in einen Souvenirshop, in dem wir
einen kleinen Eiffelturm für die Klasse erwarben.
Ja, Freizeit, Freiheit oder „Hol mir mal ‚ne Flasche Bier“.
Eigentlich wollte ich ja mit L. (Name ist der
Redaktion bekannt) ’nen Bierchen kaufen und auf dem Platz vor dem
Centre Pompidou trinken. Aber für französisches Bier wollten wir
dann doch nicht unser „Gesetz“ brechen, zumal der Tag auch so echt
geil war. Jawohl, Freizeit in der geilsten Gegend von Paris.
Stadtbummel ist ja echt nicht mein Ding, aber in Montmartre würde
mir das den ganzen Tag Spaß machen.
Und dann war auch schon wieder 18:15: L’heure du dîner (Abendbrot),
zum Dessert: Mousse au chocolat. Das Dessert zum Dessert: Le Musée
du Quai Branly. Das ist ein Museum, in dem asiatische, ozeanische
und afrikanische Kultur ausgestellt wird. Also noch mal in die Métro
schwingen, im Museum ein paar Runden drehen und . . . .
das Ende des Tages herbeisehnen. Neeeeeein! Das war’s immer noch
nicht. Obwohl Bahar und ich dagegen protestierten, gingen wir gegen
21.30 Uhr abends noch Richtung der nahe gelegenen Champs de Mars, um
den beleuchteten Eiffelturm zu sehen. Es war überwältigend – Dank an
die Reiseleitung!! Dann ging es aber doch endlich Richtung MIJE,
Richtung Bett. – „Faites dodo, mes amis“ („Schlaft ein, meine
Freunde“). Schnaaarch! Freitag, den 29. Juni –
Au revoir mon amour!
Aufstehen – duschen – Frühstück – Koffer packen - Betten abziehen –
So sieht der Abschied aus. (Lieber Lars, die Hotelleitung hat dein
Bettlaken im Innenhof wiedergefunden; Anmerkung der Redaktion)
Das Gepäck stellten wir in der Baggagerie des Hotels ab und wir
machten uns auf den Weg ins
Zukunftsmuseum La Villette. Dort besuchten wir die Ausstellung ‚Crad
Expo’.
In dieser Ausstellung ging es ums Furzen, Rülpsen, Kotzen,
Nasenschleim und Schweißbildung. Hochinteressant, die
biologisch-chemischen Prozesse dieser menschlichen Ausdrucksformen
zu erfahren. Natürlich ging es anschließend zu . . .,
reingelegt, . . . diesmal nicht McDonalds, sondern Quick Burger!
Kim bekam noch ihr Geburtstagsstädchen („Joyeux anniversaire“ . . .
lalali), Xenia, die Tochter von Frau Mertens-Hann, wurde
verabschiedet, weil sie eher nach Deutschland zurück musste („Merci
et au revoir, chère Xenia!“). Nochmal ins Pantheon, dort wo viele
Größen der französischen Geschichte begraben liegen. Und zum
allerletzten Mal zur Kathedrale Notre-Dame.
Dieses Mal sollte es endlich klappen mit einer Führung durch diese
gothische Kathedrale. Damien lernte drei englische
Kunsthistorikerinnen kennen, die sich zu Studienzwecken in Paris
aufhielten, und uns fachkundig durch die Kirche führten. Für Damien
bleiben diese Momente unvergesslich.
Gepäck aus dem Hotel aufladen, beladen in die überfüllte Métro (boah!),
der letzte französische Döner am Gare du Nord und dann nur noch: „Au
revoir Paris“.
Der Zug nach Deutschland fuhr gegen 21 Uhr ab. „Das gleichmäßige
Schlagen der Gleisschwellen drückte mein Herz. Die Zeit lief ab . .
. .“ – so war’s ja gar nicht.
Diese Nacht gab es keine „bonne nuit“, kein „dodo“, keiner wollte
schlafen. Paris noch mal feiern, die Reise und sich selber. So sahen
wir, glaube ich, am nächsten Tag auch aus, oder??
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